Kurz gesagt: Beim Americano kommt heißes Wasser zum fertigen Espresso dazu. Beim Lungo läuft mehr Wasser durch dasselbe Kaffeemehl. Der Caffè Crema ist ein sehr langer Bezug, meist gröber gemahlen und in einer großen Tasse. Alle drei sind lang und schwarz – aber sie entstehen auf drei verschiedene Arten.
Eine Einordnung vorweg: Keiner dieser Begriffe ist geschützt, und sie werden von Café zu Café und von Maschine zu Maschine unterschiedlich verwendet. Die folgenden Mengen sind übliche Größenordnungen, keine Normen.
Americano: Espresso plus Wasser
Der Americano ist ein Espresso, der nachträglich mit heißem Wasser verlängert wird – typischerweise ein einfacher oder doppelter Espresso plus etwa 100 bis 150 ml heißes Wasser.
Der entscheidende Punkt ist die Reihenfolge. Weil das Wasser erst nach dem Bezug dazukommt, verändert es die Extraktion nicht. Der Espresso bleibt derselbe, er wird nur verdünnt – wie kräftig das Ergebnis wirkt, hängt davon ab, wie viel Wasser du zugibst.
Wird das Wasser zuerst in die Tasse gegeben und der Espresso darauf gezogen, nennt man das meist Long Black. Der Unterschied ist klein, aber hörbar in der Diskussion: Die Crema bleibt so eher erhalten.
Zur Herkunft kursiert die Erzählung, amerikanische Soldaten hätten sich in Italien ihren Espresso mit Wasser verdünnen lassen. Belegen lässt sich das schwer – als Erklärung für den Namen hält sie sich trotzdem hartnäckig.
Lungo: mehr Wasser durch dasselbe Kaffeemehl
Beim Lungo wird nicht verdünnt, sondern länger bezogen. Dieselbe Menge Kaffeemehl, dieselbe Maschine – aber es läuft deutlich mehr Wasser hindurch, oft die doppelte Menge eines Espressos.
Das ist ein Unterschied, den der Americano nicht hat: Ein Lungo hat bei gleicher Kaffeedosis eine größere Getränkemenge, weil mehr Wasser durch das Kaffeemehl läuft. Er ist also nicht einfach ein verdünnter Espresso, sondern ein anders extrahierter Kaffee.
Ob er ausgewogen oder bitter schmeckt, hängt von Bohne, Mahlgrad und Rezept ab. Ein höheres Verhältnis von Getränk zu Kaffee kann eine ausgeprägte Säure abmildern; wird zu weit extrahiert, treten dagegen bittere und trockene Eindrücke hervor. Wie Mahlgrad, Zeit und Menge zusammenhängen, steht in unserer Siebträger-Anleitung; warum Kaffee bitter oder sauer schmeckt, klärt die Ursachensuche bei sauer und bitter.
Caffè Crema: der lange Bezug aus dem Vollautomaten
Der Caffè Crema stammt aus dem Alpenraum und ist vor allem in der Schweiz, in Süddeutschland und Österreich verbreitet. Es ist ein sehr langer Bezug, meist zwischen 120 und 200 ml, benannt nach der feinen Crema, die dabei entsteht.
Technisch gelöst wird das meist über den Mahlgrad: gröber als für Espresso. So läuft mehr Wasser hindurch, ohne dass die Brühzeit stark steigt und der Kaffee überextrahiert. Ob der Mahlgrad für verschiedene Getränke automatisch angepasst wird oder manuell eingestellt werden muss, hängt vom Vollautomaten ab.
Für Vollautomaten gilt bei der Bohnenwahl einiges Eigenes, das wir im Beitrag zu Kaffeebohnen für Vollautomaten gesammelt haben.
Die drei im Vergleich
| Americano | Lungo | Caffè Crema | |
|---|---|---|---|
| Wie es entsteht | Espresso, danach heißes Wasser | längerer Bezug durch dasselbe Kaffeemehl | sehr langer Bezug, meist gröber gemahlen |
| Übliche Menge | Espresso plus ca. 100–150 ml Wasser | etwa doppelte Getränkemenge eines Espressos | ca. 120–200 ml insgesamt |
| Mahlgrad | Espresso-Einstellung bleibt | meist wie Espresso, kann angepasst werden | in der Regel gröber |
| Was den Geschmack bestimmt | Menge des zugegebenen Wassers | Bohne, Mahlgrad und Rezept | Mahlgrad, Bezugsmenge, Bohne |
| Typisch bei | Siebträger, Café | Siebträger, Kapsel | Vollautomat |
Welche unserer Kaffees passen wozu
Für den Americano funktioniert fast jeder unserer Espressokaffees, weil die Merkmale des Espressos erhalten bleiben. Wer es fruchtiger mag, nimmt Box 2 Box mit Karamell, Mandarine und Kakao; wer es schokoladig mag, Match Day.
Beim Lungo bewährt sich ein Kaffee mit ruhigem, schokoladigem Profil – Calcio mit Nougat und Zartbitterschokolade ist dafür eine naheliegende Wahl.
Für den Caffè Crema aus dem Vollautomaten passen ausgewogene Röstungen meist besser als sehr helle, die bei langen Bezügen schnell dünn wirken können. Kick Off ist dort unsere naheliegende Wahl.
Häufige Fragen
Ist ein Americano dasselbe wie Filterkaffee? Nein. Beim Americano wird ein fertiger Espresso mit Wasser verlängert, beim Filterkaffee läuft Wasser einmal durch grob gemahlenen Kaffee. Filterkaffee wirkt meist klarer und leichter; der Americano behält geschmackliche Merkmale des verwendeten Espressos.
Warum schmeckt mein Lungo bitter? Ein Lungo muss nicht bitter schmecken – ob er ausgewogen wirkt, hängt von Bohne, Mahlgrad und Rezept ab. Wird zu weit extrahiert, treten bittere Noten hervor; gröber mahlen oder die bezogene Menge reduzieren hilft dann meist.
Was ist ein Long Black? Ein Americano mit umgekehrter Reihenfolge: erst das heiße Wasser in die Tasse, dann den Espresso darauf. So bleibt die Crema eher erhalten.
Hat ein Americano mehr Koffein als ein Espresso? Nicht zwangsläufig. Wird ein einfacher Espresso verlängert, bleibt die Koffeinmenge gleich – nur verteilt auf mehr Flüssigkeit. Mit einem doppelten Espresso als Basis ist entsprechend mehr drin.
Welcher davon schmeckt am mildesten? Das hängt am Rezept, nicht an der Kategorie. Beim Americano lässt sich die Stärke am direktesten steuern, weil du über die Wassermenge entscheidest, ohne die Extraktion zu verändern.
Warum heißt der Caffè Crema so? Nach der dichten Crema, die bei einem langen Bezug mit gröberem Mahlgrad entsteht. Mit der italienischen Espressotradition hat der Begriff wenig zu tun – er ist im Alpenraum entstanden.
Über die Autorin: Jovana ist Rösterin, Kaffeologin und Gründerin von Nine Fine Roastery in München. Den Kaffee für Nine Fine röstet sie selbst. Außerdem ist sie Profifußballerin.