French Press Kaffee: Anleitung, Rezept und typische Fehler

Jan 20, 2024
French Press Kaffee: Anleitung, Rezept und typische Fehler

Die French Press ist wahrscheinlich die einfachste Art, richtig guten Kaffee zu machen: Kaffee rein, Wasser drauf, warten, drücken. Trotzdem landet oft eine Tasse auf dem Tisch, die bitter schmeckt oder unten voller Kaffeesatz ist. Mit dem richtigen Mahlgrad, einer festen Zeit und einem kleinen Handgriff am Ende wird daraus ein runder, vollmundiger Kaffee.

Kurz gesagt: Für 500 g Wasser nehme ich 30 g grob gemahlenen Kaffee und Wasser mit 95 °C. Ich gieße alles Wasser auf, rühre kurz um und lasse den Kaffee 4 Minuten ziehen. Danach drücke ich den Stempel langsam nach unten, gieße den Kaffee direkt und langsam um und lasse einen kleinen Rest mit dem Satz in der French Press.

Wie die French Press funktioniert

Bei der French Press zieht das Kaffeemehl einige Minuten direkt im Wasser. Danach drückst du ein feines Metallsieb nach unten, das den Kaffeesatz vom fertigen Kaffee trennt.

Weil kein Papierfilter im Spiel ist, gelangen mehr Kaffeeöle und feine Partikel in die Tasse. Der Kaffee hat deshalb meist mehr Körper und eine weichere, schwerere Textur als Kaffee aus dem Handfilter, wirkt aber auch weniger klar.

Trotz des Namens ist die Geschichte nicht nur französisch: Ein erstes Patent für ein solches Gerät meldeten die Franzosen Mayer und Delforge 1852 an. Die Form, die wir heute kennen, geht vor allem auf italienische Entwicklungen ab 1929 zurück (Barista Hustle).

Das brauchst du

  • French Press in passender Größe
  • Kaffeemühle, die grob und gleichmäßig mahlt
  • Küchenwaage und Timer
  • Wasserkocher, ideal mit Temperatureinstellung
  • Löffel zum Umrühren

Mein French-Press-Rezept Schritt für Schritt

Kaffee Mahlgrad Wasser Temperatur Ziehzeit
30 g grob 500 g 95 °C 4:00 Min.

Das Verhältnis entspricht 60 g Kaffee auf einen Liter Wasser. Für eine kleinere oder größere French Press rechnest du Kaffee und Wasser im selben Verhältnis um.

  1. French Press mit heißem Wasser vorwärmen und das Wasser wegschütten.
  2. 30 g Kaffee grob mahlen und in die Kanne geben. Waage auf null stellen.
  3. 0:00 – 500 g Wasser mit 95 °C aufgießen und kurz umrühren, damit das ganze Kaffeemehl nass ist.
  4. Deckel mit hochgezogenem Stempel auflegen und ziehen lassen.
  5. 4:00 – den Stempel langsam und gleichmäßig nach unten drücken.
  6. Den Kaffee direkt und langsam in Tassen oder eine Kanne umgießen. Einen kleinen Rest mit dem Satz in der French Press lassen.

Das Umgießen gehört bei diesem Rezept dazu. So bleibt die Ziehzeit genau so, wie sie im Rezept vorgesehen ist, und der Kaffee schmeckt jedes Mal gleich.

Tipp für weniger Satz: die Methode von James Hoffmann

Wenn dich der Bodensatz in der Tasse stört, lohnt sich ein Blick auf die Methode, die der britische Barista-Weltmeister James Hoffmann in seinem Video „The Ultimate French Press Technique“ zeigt. Sie dauert länger, dafür ist der Kaffee spürbar klarer.

Kaffee Mahlgrad Wasser Temperatur Gesamtzeit
30 g mittelgrob 500 g frisch gekocht ca. 9–12 Min.
  1. 30 g Kaffee in die French Press geben und 500 g frisch gekochtes Wasser aufgießen.
  2. 4:00 – die Kruste an der Oberfläche vorsichtig mit einem Löffel aufbrechen, sodass das meiste Kaffeemehl absinkt.
  3. Schaum und restliche Partikel an der Oberfläche mit zwei Löffeln abschöpfen.
  4. 5 bis 8 Minuten warten, damit sich die feinen Partikel am Boden absetzen.
  5. Den Stempel nur bis knapp unter die Oberfläche setzen, nicht ganz nach unten drücken.
  6. Den Kaffee langsam durch das Sieb in die Tassen gießen und einen kleinen Rest mit dem Satz in der French Press lassen.

Hoffmann erklärt in seinem Video, dass der Kaffee durch das lange Warten nicht spürbar bitterer wird, weil der Großteil des Kaffeemehls dann am Boden liegt. Probier am besten selbst, ob dir diese Tasse besser schmeckt als die klassische Variante.

Welche Bohnen in die French Press passen

Die French Press betont Körper und Süße. Deshalb passen Kaffees, die auch mit mehr Textur gut funktionieren:

  • VERLÄNGERUNG aus Brasilien mit Erdbeere, Rum und reifen Früchten: süß und fruchtig
  • WARM UP aus Costa Rica mit Mandarine, braunem Zucker und Zitrus: rund und ausgewogen
  • MATCH DAY mit Milchschokolade, Haselnuss und Karamell: schokoladig und vollmundig, auch mit einem Schuss Milch

Sehr helle, florale Kaffees kannst du ebenfalls in der French Press brühen. Ihre feinen Blütennoten kommen im Handfilter aber meist klarer heraus.

Auch das Wasser beeinflusst den Geschmack. In München ist das Leitungswasser hart, was vor allem die Säure heller Röstungen dämpfen kann. Mehr dazu liest du im Beitrag Wasser für Kaffee in München.

Typische Fehler bei der French Press und was du ändern kannst

Der Kaffee schmeckt bitter

Häufig ist der Mahlgrad zu fein, dann mahl etwas gröber. Prüf außerdem, ob du Kaffeemenge und Ziehzeit wie im Rezept eingehalten hast, und gieß den Kaffee nach dem Drücken direkt um.

Der Kaffee schmeckt dünn oder wässrig

Wahrscheinlich ist der Mahlgrad zu grob oder die Kaffeemenge zu gering. Prüf zuerst mit der Waage, ob das Verhältnis stimmt, und mahl dann etwas feiner.

Zu viel Satz in der Tasse

Ein sehr feiner Mahlgrad oder eine Mühle mit vielen feinen Partikeln lässt mehr Satz durch das Sieb. Schöpf die Oberfläche ab, gieß langsam ein und lass einen kleinen Rest mit dem Satz in der French Press. Oder probier die Methode von James Hoffmann.

Der Stempel lässt sich schwer drücken

Das spricht meist für einen zu feinen Mahlgrad. Drück nicht mit Gewalt, sonst kann heißer Kaffee an der Seite hochspritzen. Mahl beim nächsten Mal gröber.

Häufige Fragen zur French Press

Wie grob muss Kaffee für die French Press gemahlen sein?

Grob. Wie das an deiner Mühle aussieht, hängt vom Modell ab. Ist der Kaffee bitter und schwer zu drücken, mahl gröber, ist er dünn, mahl feiner.

Wie viel Kaffee brauche ich für die French Press?

In meinem Rezept sind es 60 g Kaffee pro Liter Wasser, also 30 g für 500 g Wasser oder 21 g für 350 g Wasser.

Wie lange muss Kaffee in der French Press ziehen?

In meinem Rezept 4 Minuten ab dem Aufgießen. Danach drücke ich und gieße den Kaffee direkt um. Andere Methoden wie die von James Hoffmann arbeiten bewusst mit längeren Zeiten.

Muss ich den Stempel ganz nach unten drücken?

In meinem Rezept ja, langsam und gleichmäßig. Bei der Methode von James Hoffmann setzt du den Stempel nur knapp unter die Oberfläche, damit der abgesetzte Satz am Boden bleibt.

Kann ich Kaffee in der French Press warmhalten?

Ich würde es nicht empfehlen. In der Glaskanne kühlt der Kaffee schnell ab, und er steht weiter auf dem Satz. Wenn du ihn warmhalten willst, gieß ihn in eine vorgewärmte Thermoskanne um.

French Press oder Handfilter – was ist besser?

Das ist Geschmackssache. Die French Press macht einen Kaffee mit mehr Körper, der Handfilter einen klareren und leichteren. Wie der Handfilter funktioniert, erkläre ich im Beitrag Handfilter Kaffee: Anleitung und Rezept.

Fazit

Die French Press verzeiht viel, wenn zwei Dinge stimmen: ein grober Mahlgrad und eine feste Ziehzeit. Mit 30 g Kaffee auf 500 g Wasser, 95 °C und 4 Minuten hast du einen verlässlichen Startpunkt. Und wenn du mehr Zeit hast und eine besonders klare Tasse willst, probier die Methode von James Hoffmann.

Über die Autorin: Jovana ist Rösterin, Kaffeologin und Gründerin von Nine Fine Roastery in München. Den Kaffee für Nine Fine röstet sie selbst. Außerdem ist sie Profifußballerin.

Quellen: Barista Hustle – The History of French Press · James Hoffmann – The Ultimate French Press Technique (YouTube) · Nine Fine Roastery – Brührezepte