Espresso gilt als der starke Kaffee. Er schmeckt intensiv, wird in kleinen Tassen getrunken und wirkt oft „stärker“. Beim Koffein ist die Sache aber weniger eindeutig, als viele denken. Es kommt darauf an, ob du eine Portion oder dieselbe Menge Flüssigkeit vergleichst.
Kurz gesagt: In einem Milliliter Espresso steckt mehr Koffein als in einem Milliliter Filterkaffee, weil Espresso viel konzentrierter ist. Pro Tasse liegen beide oft nah beieinander, weil eine Tasse Filterkaffee deutlich größer ist. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rechnet mit rund 80 mg Koffein pro Espresso (60 ml) und rund 90 mg pro Tasse Filterkaffee (200 ml).
Konzentration oder Portion: worauf es ankommt
Die Frage „Was hat mehr Koffein?“ hat zwei Antworten, je nachdem, wie man misst.
Pro Milliliter liegt Espresso klar vorn. Er wird mit wenig Wasser und hohem Druck gebrüht und ist deshalb sehr konzentriert.
Pro Portion sieht es anders aus. Ein einfacher Espresso passt in eine kleine Tasse, ein Filterkaffee hat oft die drei- bis vierfache Menge. Damit gleicht sich der Unterschied aus, und je nach Rezept kann die große Tasse sogar mehr Koffein enthalten.
Als Orientierung nennt das Bundesinstitut für Risikobewertung rund 80 mg Koffein für eine Tasse Espresso mit 60 ml und rund 90 mg für eine Tasse Filterkaffee mit 200 ml.
| Espresso | Filterkaffee | |
|---|---|---|
| Referenzportion laut BfR | ca. 60 ml | ca. 200 ml |
| Koffein pro Portion (BfR-Richtwert) | ca. 80 mg | ca. 90 mg |
| Koffein pro Milliliter | hoch | niedriger |
| Wahrgenommene Stärke | intensiv, kurz | milder, länger |
Das sind Näherungswerte. Die tatsächliche Menge hängt von Bohne, Dosierung, Mahlgrad und Zubereitung ab.
Was den Koffeingehalt wirklich beeinflusst
Die Kaffeemenge. Der größte Hebel. Wer 20 g Kaffee statt 15 g verwendet, bekommt in der Regel mehr Koffein in die Tasse, unabhängig von der Methode.
Die Bohnenart. Robusta enthält in der Regel deutlich mehr Koffein als Arabica. Ein Espresso-Blend mit Robusta-Anteil, wie unser CALCIO, bringt damit tendenziell mehr Koffein mit als ein reiner Arabica.
Die Zubereitung. Kontaktzeit, Temperatur und Mahlgrad beeinflussen, wie viel Koffein ins Getränk übergeht. Feiner gemahlener Kaffee und längere Kontaktzeit lösen tendenziell mehr.
Die Portionsgröße. Ein doppelter Espresso hat etwa doppelt so viel Koffein wie ein einfacher. Ein großer Becher Filterkaffee entsprechend mehr als eine kleine Tasse.
Der Röstgrad spielt eine kleinere Rolle als oft angenommen. Koffein ist beim Rösten vergleichsweise stabil. Mehr dazu im Beitrag Hell oder dunkel geröstet.
Warum Espresso trotzdem „stärker“ wirkt
Espresso schmeckt intensiv, weil er konzentriert ist: viel gelöste Stoffe auf wenig Flüssigkeit. Diese Intensität nehmen wir als Stärke wahr, auch wenn die Koffeinmenge pro Portion ähnlich ist wie beim Filterkaffee.
Dazu kommt das Tempo: Einen Espresso trinkst du in wenigen Schlucken, einen großen Filterkaffee über eine halbe Stunde.
Wie viel Koffein ist unbedenklich?
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat dazu Richtwerte veröffentlicht, die das BfR so zusammenfasst:
- Gesunde Erwachsene: bis zu 400 mg Koffein über den Tag verteilt gelten als gesundheitlich unbedenklich.
- Einzeldosis: bis zu 200 mg, also etwa 3 mg pro Kilogramm Körpergewicht.
- Schwangere und Stillende: bis zu 200 mg pro Tag gelten für Fötus und gestilltes Kind als unbedenklich.
- Kinder und Jugendliche: 3 mg pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag waren in der Bewertung nicht mit negativen Effekten verbunden. Die EFSA weist dabei auf begrenzte Daten für diese Gruppe hin.
Zur Einordnung: Vier Tassen Filterkaffee à 200 ml ergeben beim genannten Orientierungswert rund 360 mg Koffein. Tatsächliche Werte können abweichen. Koffein steckt außerdem in Tee, Cola, Energydrinks und Schokolade, was in die Tagesmenge hineinzählt.
Wie stark Koffein wirkt, ist individuell und hängt unter anderem von Gewöhnung, Körpergewicht und Medikamenten ab. Bei gesundheitlichen Fragen, in der Schwangerschaft oder bei Beschwerden ist ärztlicher Rat die richtige Adresse. Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung.
Koffein bei anderen Zubereitungen
Bei French Press, AeroPress, Herdkanne und Vollautomat hängt die Koffeinmenge von Bohnenart, Kaffeedosis und Rezept ab. Wer fertigen Kaffee mit Wasser verdünnt, senkt die Konzentration, aber nicht die gesamte Koffeinmenge.
Die passenden Rezepte findest du in unseren Anleitungen für Espresso, Handfilter, French Press und AeroPress.
Weniger Koffein, ohne auf Kaffee zu verzichten
- Kleinere Portion: ein einfacher statt doppelter Espresso, eine kleinere Tasse Filterkaffee.
- Weniger Kaffeemehl bei gleicher Wassermenge, dafür etwas feiner mahlen, damit die Tasse nicht dünn schmeckt.
- Reine Arabica-Kaffees statt Blends mit Robusta-Anteil.
- Später am Tag umsteigen, zum Beispiel auf entkoffeinierten Kaffee oder koffeinfreien Kräuter- oder Früchtetee.
Häufige Fragen zu Koffein im Kaffee
Hat Espresso mehr Koffein als Filterkaffee?
Espresso enthält meist mehr Koffein pro Milliliter. Welche Portion insgesamt mehr enthält, hängt von Kaffeemenge, Bohnenart und Rezept ab. Das BfR rechnet als Orientierung mit rund 80 mg pro Espresso (60 ml) und rund 90 mg pro Tasse Filterkaffee (200 ml).
Wie viel Koffein hat eine Tasse Kaffee?
Als Richtwert rund 90 mg bei 200 ml Filterkaffee. Der genaue Wert hängt von Bohne, Menge und Zubereitung ab.
Haben dunkle Röstungen mehr Koffein?
Nicht zwangsläufig. Koffein ist beim Rösten vergleichsweise stabil, Unterschiede entstehen eher durch Dosierung und Zubereitung.
Hat Robusta mehr Koffein als Arabica?
In der Regel ja, deutlich. Deshalb enthalten Espresso-Blends mit Robusta-Anteil tendenziell mehr Koffein.
Wie viel Kaffee pro Tag ist okay?
Laut EFSA gelten bis zu 400 mg Koffein pro Tag für gesunde Erwachsene als unbedenklich, in der Schwangerschaft bis zu 200 mg. Bei Beschwerden oder Vorerkrankungen sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Hat entkoffeinierter Kaffee gar kein Koffein?
Nein, ein kleiner Rest bleibt. In der EU gilt Röstkaffee als entkoffeiniert, wenn der Koffeingehalt sehr niedrig ist; ganz koffeinfrei ist er nicht.
Fazit
Espresso ist konzentrierter, Filterkaffee wird in größeren Portionen getrunken. Pro Tasse liegen beide deshalb näher beieinander, als das Gefühl vermuten lässt. Wenn du dein Koffein steuern willst, achte weniger auf die Methode und mehr auf Kaffeemenge, Portionsgröße und Bohnenart.
Über die Autorin: Jovana ist Rösterin, Kaffeologin und Gründerin von Nine Fine Roastery in München. Den Kaffee für Nine Fine röstet sie selbst. Außerdem ist sie Profifußballerin.
Quellen: Bundesinstitut für Risikobewertung – Fragen und Antworten zu Koffein und koffeinhaltigen Lebensmitteln (FAQ, 2026) · EFSA (2015): Scientific Opinion on the safety of caffeine